Shakespeares Blick auf Valtats „Mädchen spielen mit einem Löwenjunge“
Von der Torheit des ungeübten Pinsels
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| Louis Valtat - Mädchen spielen mit einem Löwenjunge (ca. 1905-06) (81,5 x 100,5 cm) |
Actus Primus – O greller Trug der falschen Kunst
O du vermessne Leinwand, die sich Kunst schimpft, doch nur ein wilder Farbentanz auf stumpfem Tuch! Vier Dirnen seh’ ich, grell umflort von Sonnenbrand, im Grün der Auen, wo die Lüfte toben wild. Sie haschen nach des Löwen sanftem Kind, ein Spiel, das keines ist, nur plumpes Gaukeln junger Glieder. Doch sieh die Farben! Rot und Gelb, wie Bluthundswut, die sich vermengt zu unflätigem Gewölk, ohne Maß, ohne Sinn, ein Streit von Flächen blind!
Actus Secundus, Scena Prima – Der Pinsel, trunkner Narr
Des Mahlers Hand, o Schreck, ein tolles Ungetüm, führt Pinselstriche breit wie Keulenschläg’ im Rausch. Kein Schatten haucht, kein Licht webt sanften Schleier - die Formen flattern flach, wie ausgeschnittnes Papier, die Linien krumm und grob, als hätt’ ein Kind getobt. Ein Nebelhimmel webt in trübem Grau und Dunst, das Grün schreit grell empor, ein Haufen bunter Lappen, nicht gemalt, sondern geschrien! Wo fein Gesetz geherrscht, da waltet hier der Pöbelsturm, ein Fest der Roheit, nackt und ohne edle Hülle.
Actus Secundus, Scena Secunda – Das Löwenkind, zur Posse
Und jenes Löwenjung’ – ha! welch ein plumpes Trugbild, kein edler Sprößling wilder Pracht, nein, plumpes Kätzlein groß, mit Fell wie grobem Flickwerk, stumpf und ohne Glanz. Die Dirnen tätscheln’s, lächeln dumm in greller Glut, doch fehlt der Majestät des Tieres edler Art; es plumpst im Gras, ein Witz aus grobem Stoff, entstellt zu possenhaftem Spieltrieb nied’rer Lust. Sein Auge starrt verstellt, die Tatzen breit und lahm, ein Schatten seiner Art, gefangen in der Gosse.
Actus Tertius – Wo Glanz zur Farce zerfällt
Hätt’ Zucht die Hand gelenkt, hätt’ Maß die Farbe gezähmt, so wär’ vielleicht ein Hauch von Kunst aus dir geworden. Doch hier tobt greller Schrei, wo Stille walten sollte, die Flächen prallen hart, die Töne krachen laut, als kämpft’ die Palette selbst in wildem Haderkampf. Dies Bild, ein lauter Spuk von ungezügelter Brutalität, ein Prahlen mit dem Rohe, das den Sinn verstört. O Tuch der Torheit, deck’ dich zu mit dunklem Flor, denn wahre Kunst flieht dich wie Pest den Palast!

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