Polybios' Blick auf Józef Brandts „Husar“ und Mackes „Husaren auf einem Ausfall“
Über die Darstellung des Krieges in der Malerei
Eine Untersuchung über das Können und Verfall
Es ist mir stets ein Anliegen gewesen, nicht nur die Taten großer Männer zu schildern, sondern auch die Werke derer zu prüfen, die versuchen, das Kriegshandwerk in Bildern festzuhalten. Denn wie die Historie nur dann Nutzen bringt, wenn sie auf Wahrheit und Genauigkeit beruht, so verdient auch die Malerei nur dann Anerkennung, wenn sie die Wirklichkeit mit Klarheit und Verstand erfasst. Ein Staatsmann, der sich von Trugbildern leiten lässt, führt sein Volk ins Verderben; ein Betrachter, der Unfähigkeit für Stil hält, verliert den Sinn für die Wahrheit.
I. Der Vergleich der Ordnung (Taxis)
So liegen mir zwei Werke vor, beide dem gleichen Gegenstand gewidmet: den Husaren, jenen schnellen Reitern, die wie ein Sturm über das Feld jagen. Das eine stammt von Józef Brandt, einem Mann, der die Kunst des Malens so beherrscht wie ein erfahrener Feldherr die Ordnung seiner Truppen. Das andere von August Macke, einem Künstler, der zwar Eifer zeigt, doch dessen Werk mehr den Eindruck eines Mannes erweckt, der die Schlacht aus der Ferne gehört, aber nie selbst gesehen hat.
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| Józef Brandt - Husar (1890) |
Brandts Darstellung ist reich an Einzelheiten. Jeder Hufschlag, jede Falte im Lederzeug, jede Bewegung der Pferde ist mit solcher Genauigkeit wiedergegeben, dass der Betrachter meint, den Staub der Ebene zu riechen. Die Reiter erscheinen in gestaffelten Ebenen, doch jede Figur besitzt Klarheit und Gewicht. Die Fahnen flattern nicht als bloße Farbflecken, sondern als Stoff, der dem Wind gehorcht. Dies ist die Arbeit eines Mannes, der das Wesen des Krieges kennt und die Pflicht verspürt, es wahrheitsgetreu zu überliefern.
II. Die taktische Analyse der Kräfte
Wer die Geschichte der Kriege studiert, weiß, dass ein Kavallerieangriff nur durch die Verbindung von Wucht und Ordnung (Eutaxia) erfolgreich sein kann. Brandt zeigt uns den Husaren so, dass der Verstand die Logik des Angriffs begreift: Die Abstände sind gewahrt, der Schwerpunkt der Reiter ruht tief im Sattel, und die Ausrüstung ist als Werkzeug des Sieges erkennbar.
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| August Macke - Husaren auf einem Ausfall (1913) (37,5 x 56,1 cm) |
Ganz anders verhält es sich mit dem Werk des Macke. Zwar zeigt auch er Reiter und Bewegung, doch alles ist nur angedeutet, als hätte der Künstler die Formen im Nebel gesehen. Hier herrscht jene Unordnung (Ataxia), die ich stets als den Untergang jeder Armee beschrieben habe. Die Pferde verlieren ihre Körperlichkeit, die Reiter ihre Haltung. Einem Heerführer, der seine Truppen so im Gelände verteilt sähe, müsste der kalte Schweiß auf der Stirn stehen, denn er könnte keinen einzigen Befehl mit Bestimmtheit geben.
III. Über die Täuschung der Farben
Ein Werk muss die Substanz (Ousia) der Dinge erfassen. Bei Brandt bricht sich das Licht auf dem Metall der Rüstung; man spürt die Härte des Eisens und die Schwere der Erde. Er nutzt das Licht wie ein Kundschafter das Gelände.
Macke hingegen flieht vor der Schwere der Welt in eine Welt der Träume. Er begeht den Fehler, die Farbe über die Vernunft zu stellen. Seine Farben fließen ineinander wie Wasser, das über Pergament läuft. Ein Husar in einem gelben Nebel verliert seine Würde. Es ist eine Entmaterialisierung, die dem Wesen des Krieges widerspricht. Wo Brandt die Wirklichkeit mit der Strenge eines Chronisten festhält, scheint Macke sich mit einem Schattenbild zu begnügen.
IV. Schlussfolgerung für die Nachwelt
Der eine zeigt die Kunst als Handwerk, das Können und Erfahrung verlangt; der andere offenbart die Schwäche des Dilettanten, der das Schwierige meidet und das Unklare als Stil ausgibt. So wie ein Staat zerfällt, wenn die Gesetze missachtet werden, so zerfällt die Kunst, wenn das Handwerk der Beliebigkeit weicht.
Nicht derjenige, der vieles andeutet, sondern derjenige, der die Wahrheit vollständig erfasst, dient dem Verständnis der Nachwelt. Die Klarheit des Brandt wird daher immer über dem Nebel des Macke stehen, solange es Männer gibt, die den Wert der Wahrheit zu schätzen wissen.


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