Milton Friedmans Blick auf Schieles „Häuser mit bunter Wäsche (Vorstadt II)“
Wenn Wert zur Frage der Präferenz wird
Subjektiver Wert statt objektiver Qualität
In einer freien Marktwirtschaft existiert kein objektiver oder intrinsischer Wert eines Gutes. Dies gilt in besonderem Maße für Kunstwerke wie Egon Schieles „Häuser mit bunter Wäsche (Vorstadt II)” aus dem Jahr 1914. Der Preis, den ein solches Werk auf einer Auktion erzielt, ist kein Ausdruck handwerklicher Qualität oder ästhetischer Überlegenheit, sondern das Ergebnis individueller Nutzenbewertungen. Wert entsteht nicht durch technische Perfektion, sondern durch die Bereitschaft der Menschen, für ein knappes Gut zu zahlen.
Form, Fehler und die Irrelevanz technischer Maßstäbe
Das Gemälde zeigt eine enge Häuserfront, deren Verzerrungen und unruhige Linienführung aus klassischer Sicht fehlerhaft sind. Seine gestörte Perspektive, die unpräzise Raumtiefe und das beinahe naive Kolorit lassen es nicht von einem Amateurwerk unterscheiden. Ohne die Signatur des Künstlers wäre dieses Objekt ökonomisch nahezu bedeutungslos, da es keine Merkmale aufweist, die einem Betrachter einen besonderen Produktionsaufwand, technische Meisterschaft oder besondere künstlerische Fähigkeit signalisieren würden. Doch Märkte funktionieren nicht nach ästhetischen Kriterien. Sie aggregieren Präferenzen – und diese spiegeln sich im Preis wider.
Knappheit, Signale und symbolisches Kapital
Schieles früher Tod begrenzt das Angebot dauerhaft. Seine Werke sind ein knappes Gut in einem Markt, dessen Nachfrage durch kulturelle Bedeutung, historische Einordnung und Statusmotive stetig wächst. Die Signatur fungiert als Signal, das Knappheit, Reputation und erwartete Wertsteigerung bündelt. Käufer erwerben nicht Leinwand und Pigment, sondern ein ökonomisches Gut, dessen Nutzen sowohl materiell als auch symbolisch ist.
Der Marktpreis als Ausdruck aggregierter Präferenzen
Ein freier Markt erfüllt hier seine zentrale Funktion: Er übersetzt individuelle Werturteile in ein Preissignal. Dieses Preissignal ist keine moralische oder qualitative Bewertung, sondern eine Information über Knappheit und Präferenzintensität. Dass ein dilettantisches Gemälde einen Preis von rund 40 Millionen Dollar erzielt, mag intuitiv überraschen. Aus ökonomischer Sicht jedoch ist es ein vollkommen rationales Ergebnis eines dezentralen Marktprozesses, in dem Wert ausschließlich durch die Entscheidungen der Marktteilnehmer entsteht.
📌Milton Friedman📌Egon Schiele
📌Häuser mit bunter Wäsche (Vorstadt II)

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