Mephistopheles Blick auf Wols „Auge Gottes“
Mephistos Triumph bei Sotheby’s
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| Wols - Auge Gottes (1948/49) (46,4 x 65,3 cm) |
Der Blick auf das Machwerk
Ei sieh! Da hebt sich wieder mein Gelächter,
Denn wahrlich, nie ward ich der Menschen Wächter
Und ihrer Torheit froher als im Saal,
Wo Gold zur Tugend wird und Geist zur Qual.
Was liegt denn da? Ein bunt verronnen Ding,
Als hätt’ ein Kind, das jäh im Zorne ging,
Die Palette auf das Tuch geschmissen,
Vom Sinn und Maß und Schönheit losgerissen.
Die List der Verklärung
„Ein Auge!“ schreit die Meute, „Gottes Blick!“
Ich lach’ mir in den Bart ob solchem Glück.
Denn was als Schmiere nur den Pinsel zierte,
Ich flugs als „Offenbarung“ deklarierte.
Ich sang von Nachkrieg, Schmerz und Weltenbrand,
Vom „Existenz-Bruch“ – Gott, wie das entspannt!
Sie nickten klug, sie raunten: „Welch Profund!“
Und sahen nur den Pfuhl am Leinwandgrund.
Die Macht des Namens
Der Titel ist’s! Der Titel ist mein Schwert,
Der jede Kleckserei zum Heiligtum verklärt.
Denn wer gesteht schon gern beim Glase Wein,
Dass dies nur Dreck und Modder könne sein?
Die Eitelkeit, die alte Kupplerin,
Gibt diesem Wust erst Weihe, Wert und Sinn.
Das goldene Finale
Bei Sotheby’s, im feierlichsten Tanz,
Verleiht das Gebot der Leere erst den Glanz.
Zwei Millionen! Fast ein ganzer Staat
Für dieses Werk, das keinen Schöpfer hat!
Kein Geist ergoss sich, keine Hand hat hier gefügt –
Nur meine List hat wieder mal gesiegt.
So führ’ ich sie am Nasenring zum Ziel:
Wo nichts ist, mach’ ich Tiefe – das ist mein Spiel!
📌Fauststoff
📌Johann Wolfgang von Goethe
📌Wols
📌Auge Gottes
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