Lagerfelds Blick auf Koons' „Rabbit“

INVITATION EXCLUSIVE

La Mort de l'Art

WANN: Wenn die Sonne der Vernunft untergeht. 

WO: In einer Galerie, die so weiß ist, dass man sie nur mit Sonnenbrille betragen kann.

DRESSCODE: Nur Schwarz. Wer Farbe trägt, muss draußen bleiben.

DAS MONUMENT DER BELANGLOSIGKEIT

Ach, dieser „Rabbit“. Eine glänzende Blechblase, die sich für Kunst hält – und die Welt glaubt es auch noch. C’est d’un ennui mortel. Jeff Koons hat hier kein Werk geschaffen, sondern eine spiegelnde Oberfläche für den leeren Narzissmus unserer Zeit. Es ist die perfekte Skulptur für Menschen, die keine Fingerabdrücke mögen – weder auf Stahl noch auf ihrer eigenen Seele. Wer so etwas braucht, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

Die klinische Kapitulation des Handwerks

Wo ist das Handwerk, das Können, das Risiko der unruhigen Hand? Hier wurde nichts gemeißelt, gegossen, gegraben – nur programmiert, poliert, reproduziert. Manche nennen das „High-End“. Ich nenne es: industrielle Sterilität mit Luxusglanz. Es sieht aus, als wäre es aus einem Labor für chirurgische Instrumente entlaufen. Die Oberfläche ist so hermetisch, dass nicht einmal eine Emotion daran haften bleibt. Franchement, es hat die Ausstrahlung eines sehr teuren Toasters.

Gepanzerte Infantilität für Milliardäre

Und dann dieses Motiv: ein aufblasbarer Hase. Infantilität in Edelstahl, das naive Symbol einer verlorenen Kindheit – nur eben gepanzert für den Kunstmarkt. Es ist niedlich genug, um nicht zu stören, und teuer genug, um zu imponieren. Genau die Mischung, die Milliardäre lieben. Ein Spielzeug, das sich für eine Ikone hält. Individualität ist heute anscheinend nur noch eine Frage des Schecks.

Der heilige Gral des Egos

Natürlich, es spiegelt den Betrachter. Welch geniale Idee! Jeder sieht nur sich selbst. Aber das ist vielleicht die ehrlichste Aussage des Werks: Koons’ Rabbit ist der heilige Spiegel des Egos. Kein Ausdruck, keine Spur von Künstlerhand – das Werk ist einfach da, wie eine Parfumflasche, die nie geöffnet wurde. Inhalt ist ohnehin überbewertet, wenn die Verpackung glänzt, n'est-ce pas?

Ein Hochglanz-Heiland ohne Seele

Ich stelle mir vor, wie die Altmeister die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würden. Sie bearbeiteten Materie, er bedient Maschinen. Es ist die Kunst der CNC-Fräse, des makellosen Nichts. Und dennoch jubelt die Welt. Koons hat es geschafft, das Banale zu sakralisieren – der Hase als Hochglanz-Heiland einer Epoche ohne Tiefe. Ein glänzendes Grabmal des Handwerks, perfekt wie eine leere Vitrine.

"Kommen Sie vorbei, spiegeln Sie sich in 91 Millionen Dollar Leere und gehen Sie danach sofort wieder nach Hause. Es gibt keinen Champagner, er würde nur Flecken auf dem Edelstahl hinterlassen."

K.L.

📌Karl Lagerfeld
📌Jeff Koons
📌Rabbit

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