Konfuzius' Blick auf Signacs „Das Frühstück“

Wo Farbe das Auge blendet, dort verblasst die Tugend des Herzens

Paul Signac - Das Frühstück (1886/87)
(89 × 115 cm)

Keine Harmonie, sondern Trennung

Wenn ich auf das Bild schaue, das die Leute des Westens „Das Frühstück“ nennen, sehe ich nicht Harmonie, sondern Trennung. Die Maler dieser späten Zeit bedecken ihre Leinwände mit Punkten und Farben, als wollten sie die Augen verwirren statt die Herzen zu ordnen. Ich frage: Wozu dient ein solches Werk? Es nährt nicht die Tugend, es festigt nicht die Ordnung, es führt den Menschen nicht zur Güte.

Reichtum ohne Maß

Der Maler zeigt Wohlhabende beim Mahl, doch weder Maß noch Wärme noch Demut wohnen in ihrer Haltung. Diener stehen wie Schatten am Rand; kein Band verbindet die, die befehlen, mit jenen, die gehorchen. Der Raum ist lichtdurchflutet, doch die Seelen erscheinen verdunkelt. Man sitzt beisammen und ist doch nicht miteinander. Sie blicken nicht einander an, sondern kreisen um sich selbst – wie Sterne, die im gleichen Himmel stehen und doch kein gemeinsames Leuchten hervorbringen.

Wirkung statt Einsicht

Die Kunst aber soll verbinden und veredeln. Wo das Auge nur um der Wirkung willen gereizt wird, verliert der Geist sein Ziel. Wenn Farbe zum Spiel und Form zur Blendung wird, gleicht dies einem Lied ohne rechte Melodie: Es klingt laut, doch es trägt nicht.

Ich lehrte: Der Edle sucht Harmonie, nicht Gleichförmigkeit. Hier aber sehe ich Gleichförmigkeit im Überfluss und eine Harmonie ohne Herz. Diese neue Malerei sucht den Eindruck statt der Einsicht. Sie will überraschen, nicht unterweisen; sie betört das Auge und lässt den Geist darben.

Die wahre Aufgabe der Kunst

Wenn Kunst keine Ehrfurcht vor den Riten kennt und das Gute im Menschen nicht entzündet, ist sie wie eine erlesene Speise: Sie füllt den Leib und lässt die Seele hungern.

Macht Kunst, die das Herz ordnet, die den Menschen zur Güte bewegt und die Tugend sichtbar macht – dann erst ist sie wahrhaft schön.

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