Joshua Reynolds' Blick auf Derains „Le Séchage des voiles“
Diskurs über den Verfall der akademischen Ordnung
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| André Derain - Le Séchage des voiles / Trocknen der Segel (1905) (82 х 101 cm) |
Eine Mahnung an die Jugend über das Werk „Drying the Sails“
„Meine Herren, meine jungen Mitstreiter im Dienste des Wahren und Schönen, ich stehe heute vor Ihnen, um über eine Gefahr zu sprechen, die weitaus zerstörerischer ist als das bloße Unvermögen: Es ist der Stolz des Ignoranten, der sich als Genie maskiert. Untersuchen wir das Werk dieses André Derain, ein Bildnis, das den Namen „Trocknen der Segel“ trägt, doch in Wahrheit nur die Austrocknung jedes künstlerischen Sinnes offenbart.“
I. Das Fehlen der anatomischen Integrität
„Betrachten Sie zuerst, was die Krone unserer Kunst sein sollte: die menschliche Gestalt. Was sehen wir im Vordergrund dieses Machwerks? Es sind keine Menschen, es sind lachhafte Schemen, die das Niveau einer Kinderstube kaum überschreiten. Ein Schüler im ersten Monat seiner Ausbildung weiß, dass die menschliche Form auf einem Gerüst aus Knochen und Sehnen ruht.
Hier jedoch sehen wir Gliedmaßen ohne Gelenke, Körper ohne Schwere, Gestalten, die wie ungelenke Farbflecken auf die Leinwand gefallen sind. Es ist eine Beleidigung für die Würde des Menschen und ein Beweis dafür, dass der Urheber nie die Mühe auf sich nahm, eine einzige Stunde vor einem antiken Torso zu verbringen. Wer die Anatomie missachtet, bricht den Bund zwischen Kunst und Natur.“
II. Die Tyrannei der unmodulierten Farbe
„Die Farbe, meine Herren, ist in der Hand eines Meisters ein Instrument der Harmonie. Bei Derain jedoch wird sie zur Waffe eines Demagogen. Er verwendet Pigmente nicht, um Licht und Schatten zu definieren, sondern um das Auge zu blenden.
Wo ist das Chiaroscuro, das die Dinge plastisch macht? Wo sind die gebrochenen Töne, die Distanz schaffen? Wir sehen ein grelles, primitives Durcheinander, in dem Gelb und Blau mit einer Brutalität aufeinanderprallen, die jeder Schulung spottet. Es ist die Farbe eines Amateurs, der glaubt, Lautstärke könne mangelnde Eloquenz ersetzen. Ein Bild ohne Tonwerte ist wie eine Rede ohne Grammatik – bloßer Lärm.“
III. Der Kollaps von Perspektive und Komposition
„Ein Gemälde muss ein Fenster zur Welt sein, geordnet durch die Gesetze der Perspektive. In diesem Werk jedoch wird der Raum brutal flachgedrückt. Die Segel besitzen weder die Textur von Leinwand noch die Wölbung, die der Wind ihnen schenkt; sie hängen da wie ausgeschnittene Papierfetzen in einem Chaos aus Strichen.
Es gibt keine Hierarchie, kein Zentrum des Interesses, keine Ruhepause für das Auge. Es ist eine Komposition, die keine ist, weil sie auf dem Prinzip des Zufalls statt auf dem Gesetz der Vernunft beruht. Derain begeht den Kardinalfehler des Dilettantismus: Er behauptet Größe, ohne das Fundament der Nachahmung und Disziplin je gelegt zu haben.“
IV. Das Rätsel der Musealen Weihe
„Es erfüllt mich mit tiefer Bestürzung und einer gewissen Fassungslosigkeit, dass solche Exzesse des Unvermögens heute den Weg in öffentliche Galerien finden. Dass ein Werk, das jeden Lehrsatz der Akademie mit Füßen tritt, an Wänden hängt, die für das Ewige und Noble reserviert sein sollten, ist ein Zeichen einer tiefen kulturellen Verwirrung. Es ist, als würde man das Gebrabbel eines Unmündigen in den Rang einer philosophischen Abhandlung erheben.“
V. Die Mahnung an die Aspiranten
„Lassen Sie sich nicht von der Neuheit blenden. Wahre Freiheit in der Kunst ist nicht die Abwesenheit von Regeln, sondern deren vollkommene Beherrschung. Wer die Gesetze der Großen Meister nicht lernt, wird nie ihr Erbe antreten.
Kehren Sie zurück zu Ihren Studien. Zeichnen Sie, beobachten Sie, mäßigen Sie Ihre Palette. Werden Sie keine Sklaven der Mode, sondern Diener der Schönheit. Denn nur durch den Gehorsam gegenüber der Tradition erwächst das Genie, das die Zeit überdauert.“
📌Joshua Reynolds📌André Derain
📌Le Séchage des voiles
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