Herbert Zimmermanns Blick auf de La Fresnayes „Die Eroberung der Lüfte“

Live-Bericht aus dem MoMA: Das Debakel von New York

Roger de La Fresnaye - Die Eroberung der Lüfte (1913)
(235,9 x 195,6 cm)

Anpfiff im Museum: Der Kommentar beginnt

"Achtung, Achtung! Wir schalten um nach New York! Hier spricht das Museum of Modern Art!“

Meine Damen und Herren, was sich hier auf dem Rasen – nein, auf der Leinwand von Roger de La Fresnaye abspielt, das spottet jeder Beschreibung! „Die Eroberung der Lüfte“ nennt er das, ein Titel wie ein Paukenschlag – man erwartet den großen Durchbruch, man erwartet Weltklasse-Format auf über zwei Metern Spielfläche! Aber was wir hier sehen, meine Damen und Herren, das ist kein Höhenflug, das ist ein taktischer Offenbarungseid in Öl!

Erste Halbzeit: Die Aufstellung der Riesen

Schauen Sie sich diese Aufstellung an! Zwei Akteure hocken da an einem wackeligen Tisch, als hätten sie die Orientierung komplett verloren. Ist das die Spielvorbereitung? Das ist doch kein Sport, das ist Standbild-Gymnastik! Das ist ein aufgeblähtes Team von hüftsteifen Riesen, die sich gegenseitig im Weg stehen. Die Proportionen? Ein einziges, schweres Foulspiel an der Anatomie! Von Dynamik keine Spur, die Jungs wirken wie aus Sperrholz geschnitzt – da ist kein Zug zum Tor, da ist nur statisches Verharren im kubistischen Irrgarten!

Zweite Halbzeit: Taktik ohne Konzept

La Fresnaye, was haben Sie sich dabei gedacht? Der Mann an der Seitenlinie – der Künstler, wenn man ihn so nennen will – dirigiert hier wie ein absoluter Dilettant! Er setzt auf schiere Größe, auf monumentale Wucht, aber wo bleibt die Feinheit? Wo bleibt die präzise Pinsel-Flanke? Ein französischer Wimpel hängt da lustlos im fiktiven Wind – so gewinnt man keinen Blumentopf, so wird man nicht Weltmeister! Die Abwehr im Hintergrund? Zerstückelte Farbflächen, eine Viererkette, die in ihre Einzelteile zerlegt wurde. Da stimmt keine Staffelung, da findet kein Pass den Mitspieler!

Analyse: Ein Gegner, der jeden Schlagabtausch verliert

Ich sage es Ihnen, wie es ist: Jedes eingespielte Profi-Team mit klarer Linie und sicherem Pinselstrich würde diese schwerfälligen Giganten im Vorübergehen ausspielen! Mit Disziplin, mit Perspektive, mit handwerklicher Klasse würden sie diese Riesen schwindlig spielen!

Schlusspfiff: Die Bruchlandung der Moderne

„Eroberung der Lüfte“? Dass ich nicht lache! Sie haben keinen einzigen Kopfball gewonnen. Diese Truppe klebt am Boden wie schwere Stollen im Morast von Frankfurt. Der Himmel bleibt heute fest verschlossen! Das ist kein Triumph der Moderne, das ist ein Absturz im Tableau der Kunstgeschichte!

„Aus! Aus! Aus! Das Bild ist aus!“ Roger de La Fresnaye schleicht mit gesenktem Kopf in die Kabine. Ein bitterer Nachmittag für die Ästhetik.

Zurück ins Funkhaus!

📌Herbert Zimmermann (Reporter)
📌Roger de La Fresnaye
📌Die Eroberung der Lüfte

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