Einsteins Blick auf Valadons „Frau mit einem Kontrabass“

Eine kleine Untersuchung zur allgemeinen Unordnung der Ästhetik

Suzanne Valadon - Frau mit einem Kontrabass (1908)

Ein unerwartetes Experiment in Farbe und Gravitation

Wäre mir zu Beginn des Jahrhunderts jemand begegnet und hätte behauptet, meine Relativitätstheorie würde dereinst auf einer Leinwand Gestalt annehmen – und das von einer französischen Dame mit zweifelhafter Pinselkoordination –, ich hätte ihn für einen besonders humorvollen Studenten gehalten. Und doch, hier hängt sie nun, Suzanne Valadons Frau mit einem Kontrabass: ein Experiment in Ölfarben, das meine Raum-Zeit-Krümmung auf entzückend laienhafte Weise illustriert.

Über die schiefe Ebene des Sichtbaren

Man betrachte nur den Boden: Er neigt sich so seltsam, als sei er Teil eines Gravitationsfeldes, das der Kontrabass selbst erzeugt. Das Instrument, mächtig und unbeweglich wie ein Planet, zieht die Komposition um sich herum in eine elegante Katastrophe. Die Frau, ernst und konzentriert, steht inmitten dieser Verzerrung wie ein einsamer Astronom zwischen seinen eigenen Berechnungen. Ihr Körper ist leicht verschoben – oder vielleicht der Raum um sie herum.

Farben ohne gemeinsame Theorie

Die Farben indes scheinen sich nicht auf gemeinsame Naturgesetze geeinigt zu haben. Ocker trifft auf Braun mit der Höflichkeit zweier Himmelskörper, die einander überraschend nahekommen. Übergänge werden nicht sorgfältig verhandelt, sondern eher übersprungen. Man spürt keine sanfte Modulation, sondern eine gewisse Entschlossenheit zur Behauptung: Jede Fläche besteht auf sich selbst, koste es die Harmonie, was es wolle.

Linien von zweifelhaftem Formalismus

Die Linien wiederum benehmen sich, als seien sie nur unter Vorbehalt gezogen worden. Sie beginnen mit Überzeugung und enden in philosophischer Unsicherheit. Perspektive wird hier nicht abgeschafft – sie wird großzügig relativiert. Man könnte beinahe glauben, die Malerin habe beschlossen, dem metrischen System einen Denkzettel zu verpassen, und dabei versehentlich ein kleines Chaos erzeugt, das nun mit bewundernswerter Selbstverständlichkeit fortbesteht.

Vom hohen Glanz der Fehlberechnung

So atmet das Ganze keinen rohen, sondern einen selbstbewussten Dilettantismus – jenen Zustand, in dem Kühnheit schneller arbeitet als Korrektur.

Schlussbetrachtung eines verwirrten Physikers

Und dennoch: Die Frau mit dem Kontrabass ist ein großartiges Missverständnis – ein Versuch, die Schwerkraft der Kunst zu überlisten, mit den Mitteln des Zufalls. Suzanne Valadon hat das getan, was jeder echte Forscher wagt: sie hat nicht gewusst, was sie tat – und dabei etwas entdeckt.

Mit den besten Grüßen aus dem gekrümmten Raum,

Ihr ergebener

Albert Einstein

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