Dickens' Blick auf Picassos „Science and Charity“
Ein großer frühreifer Schwindel
I. Ein Schauspiel auf der windigen Jahrmarktsbühne
Es gibt, meine hochgeschätzten und geduldigen Leser, in der unermesslichen, sturmumtosten Welt der Kunst kaum ein Schauspiel, das mich mehr an jene windigen Jahrmarktsbühnen erinnert, auf denen ein Schausteller, die Stimme schmetternd wie Blechbläser in einer Kapelle, Großartigkeit verkündet und die Menge in ehrfürchtiges Staunen versetzt, nur um dann, wenn der Vorhang fällt und der letzte Applaus verhallt ist, ein kümmerliches, beinahe lächerliches Spektakel zu offenbaren, das in keiner Weise die versprochene Pracht rechtfertigt – und doch, welch seltsames Wunder, von manchem enthusiastischen Bewunderer, geblendet durch den Glanz eines berühmten Namens, als Triumph gefeiert wird; ich spreche von dem Gemälde Science and Charity des jungen Herrn Picasso, jenem gewaltigen, raumfüllenden Ungetüm, das in seiner Dimension erdrückt und zugleich, in seinem innersten Kern, ein erstaunlich kleines Talent verbirgt, das sich zu verstecken sucht, gerade so, als wisse es, dass sein Schöpfer dem Anspruch des Raumes nicht gewachsen sei.
II. Vom Wunderknaben zum unbeholfenen Schüler
Man hat uns wiederholt, mit der Inbrunst eines Predigers, der seine letzte Hoffnung auf die Kollekte setzt und dessen Stimme in der Kuppel der Kirche widerhallt, versichert, dass der junge Picasso ein Wunderknabe gewesen sei, ein Knirps, der bereits im Kindesalter die ehrwürdigen Geheimnisse der klassischen Kunst entschlüsselte. Doch Science and Charity zeigt uns die zitternde, unsichere Hand eines Schülers, der sich, gerade wegen seines vermeintlichen Vorsprungs, Aufgaben zutraut, die weit über seine Kräfte hinausgehen, und dabei stolpert wie ein Wanderer auf rutschigem Pfad, der glaubt, den Gipfel vor Augen zu haben, nur um zu erkennen, dass seine Beine zu kurz sind, um die Höhe zu erreichen, die er sich eingebildet hatte.
III. Perspektive, Hände und Gesichter
Die Perspektive – jenes empfindliche, fast fragile Geschöpf der Kunst, das in den Händen eines Meisters zu harmonischer Ordnung heranwächst – zerfällt in den Händen des jungen Künstlers in ein jämmerliches Durcheinander: Spiegel und Schrank widersprechen einander, die Decke wirkt lieblos, die Falten hastig gesetzt, als habe der Künstler die Geduld bereits in den ersten Minuten verloren. Die Hand der Nonne wachsartig und ungeschickt. Die Gesichter – blass, unpräzise, ohne Leben – tragen denselben Ausdruck wie die Puppen in den Schaufenstern billiger Warenhäuser, stumm und hilflos zugleich.
IV. Die verhängnisvolle Verehrung
Und dennoch, welch seltsames Wunder der modernen Welt, wird dieses Bild von den Anhängern der sogenannten Modernen Kunst als Beweis für Picassos „angeborene Meisterschaft“ gepriesen! Man verweist feierlich auf seine Schülerarbeiten und behauptet, er habe jederzeit zeichnen können „wie er wollte“. Doch wer diese frühen Werke mit einem ungetrübten Auge betrachtet, erkennt unweigerlich, dass Picasso nie über das Niveau eines fleißigen, frühreifen, aber keineswegs außergewöhnlichen jungen Mannes hinausgelangte, dessen Eifer ehrbar, dessen Genie jedoch nicht vorhanden war.
V. Ein Monument der Mittelmäßigkeit
So bleibt Science and Charity ein übergroßes, überbewertetes Monument der Mittelmäßigkeit – ein Werk, das uns mahnt, nicht dem Glanz eines Namens, sondern dem wahren Können zu huldigen. Und das Können, meine Damen und Herren, ist hier so dürftig gesät wie die Tugend in den dunkleren Gassen Londons, die sich nur selten, unter Mühsal und Entbehrung, offenbart, während das Getöse der Straßen allzu leicht die wahren Werte übertönt, sodass die Illusion triumphiert, während die Realität verstummt.
📌Charles Dickens📌Pablo Picasso
📌Science and Charity
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