Rubens Blick auf Cézannes „Die Badenden“

Wenn Können fehlt, nennt man es Stil

Paul Cézanne - Die Badenden (1906 ca.)
(208 x 249 cm)

Vom falschen Anspruch der Kunst

Hier also stehe ich, Peter Paul Rubens, dem das Können heiliger ist als jede modische Idee, und man legt mir Cézannes Die großen Badenden vor. Man raunt ehrfürchtig von Kunst – doch ich sehe vor allem den Verzicht auf sie. Kunst kommt von Können: von erlernter Meisterschaft, von der Gewalt über Form, Farbe und Körper. Was hier als Revolution gefeiert wird, erscheint mir als Abdankung.

Von Körpern ohne Fleisch

Diese Badenden sind keine Menschen aus Blut und Wärme, sondern starre Konstrukte. Glieder wachsen unentschlossen aus Rümpfen, Gelenke kennen weder Funktion noch Gewicht. Kein Muskel spannt sich, keine Haut lebt. Der menschliche Körper, sonst Quelle aller malerischen Lust, wird hier zur Karikatur seiner selbst. Wer den Leib nicht versteht, kann ihn nicht malen – und wer ihn nicht liebt, sollte es erst gar nicht versuchen.

Von einer Komposition ohne Leben

Man preist die Ordnung der Formen, das große Dreieck, die angebliche Harmonie. Doch Harmonie ohne inneren Zusammenhang ist tot. Diese Figuren stehen beisammen und bleiben doch einsam. Sie baden nicht, sie begegnen einander nicht, sie existieren nebeneinander wie Bauklötze. Wo kein Begehren ist, keine Bewegung, da ist auch kein Leben – und ohne Leben keine Kunst.

Von der Farbe als Ausrede

Die Farben sind stumpf, vorsichtig, ohne Mut. Farbe muss glühen, muss singen, muss den Körper feiern. Hier aber scheint sie sich zu entschuldigen, überhaupt da zu sein. Man nennt das Reduktion, ich nenne es Mutlosigkeit.

Schlusswort eines alten Meisters

Was hier modern heißt, ist oft nur bequem. Aus dem Mangel wird ein Prinzip gemacht, aus Unvermögen eine Haltung. Doch Kunst ohne Können bleibt leer. Sie mag diskutiert werden – bewundert werden sollte sie nicht.

📌Peter Paul Rubens
📌Paul Cézanne
📌Die Badenden

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