Menzels Blick auf Kandinskys „ München-Schwabing mit der Kirche St. Ursula“

Diese perspektivlose Schlamperei is keene Kunst, sondern ’ne Beleidijung für jedes ordentliche Ooje!

Wassily Kandinsky - München-Schwabing mit der Kirche St. Ursula (1908)
(68,8 x 49 cm)

Ein Affront gegen jedes ehrliche Handwerk

Ich habe mein Leben damit zugebracht, zu sehen, zu zeichnen, zu korrigieren und wieder zu verwerfen. Nicht aus Laune, sondern aus Pflicht gegenüber dem Gegenstand. Bei allem Respekt vor dem Eifer der neuen Richtungen: Dieses sogenannte „München-Schwabing mit der Kirche St. Ursula“ ist kein missglückter Versuch, sondern ein Missverständnis von Malerei. Man steht davor und denkt unwillkürlich: Na hören Se mal. Was hier als künstlerische Freiheit ausgegeben wird, ist in Wahrheit die Preisgabe jedes handwerklichen Maßstabs als Resultat nicht vorhandenen Könnens.

Architektur ohne Haltung

Die Häuser wanken, als hätten sie keinen Grund unter den Füßen. Keine Linie weiß, wozu sie da ist, keine Form stützt die andere. Ich habe stets darauf bestanden, dass selbst das Kleinste ernst zu nehmen ist, dass ein Dach ein Dach bleiben muss und ein Turm Gewicht haben soll. Die Kirche St. Ursula jedoch wird hier behandelt wie ein beiläufiger Fleck, ohne Würde, ohne Charakter. Vereinfachung kann Wahrhaftigkeit sein – aber nur, wenn man zuvor verstanden hat, was man vereinfacht. Hier ist nichts verstanden, nur ausgelassen worden. Det trägt ja nich.

Farbe ohne Maß

Auch die Farbgebung verweigert sich jeder Disziplin. Statt Licht und Atmosphäre begegnet man einem lauten Nebeneinander greller Töne. Farbe wird nicht geführt, sie tobt. Das Ganze erinnert an einen umgestoßenen Farbkübel, dem man im Nachhinein Bedeutung andichtet. Ich habe immer gewarnt vor großen Worten, hinter denen kein Können steht. Man nennt so etwas dann mutig oder modern. Ich nenne es gedankenlos. Farbe hat zu dienen, nicht zu schreien. Hier aber herrscht Lärm, kein Kolorit.

Kein Rückgrat

Ich habe nie etwas gegen Neues gehabt, wohl aber gegen Schlamperei. Kunst entsteht nicht aus Behauptung, sondern aus Arbeit. Wenn dies als Zukunft der Malerei gedacht ist, dann ist es eine Zukunft ohne Rückgrat. Ein Bild, das weder die sichtbare Welt ernst nimmt noch das eigene Handwerk respektiert, trägt sich nicht. Es simuliert Bedeutung, wo Substanz fehlen muss. Ein Fehltritt, der sich Fortschritt nennt – und dabei kaum das Niveau eines missratenen Studienblatts erreicht. Ick weeß ja nich.

📌Adolph von Menzel
📌Wassily Kandinsky
📌München-Schwabing mit der Kirche St. Ursula

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