Ludwig II. von Bayerns Blick auf Matisses „Der Tanz I“

Fehlende künstlerische Würde

Henri Matisse - Der Tanz I (1909)
(259,7 x 390,1 cm)

Ein königliches Auge in Schmerz

Es schmerzt mein königliches Auge zutiefst, wenn ein Werk wie Henri Matisses Der Tanz I den ehrwürdigen Hallen eines Museums anvertraut wird, als handle es sich um ein Zeugnis wahrer Kunst. Denn Kunst, so wie ich sie in meinen Schlössern, meinen Theatern, meinen Träumen verehre, erwächst aus Können, aus Hingabe, aus jener erhabenen Meisterschaft, die den Menschen über sich selbst erhebt. Doch hier, vor dieser rohen, beinahe barbarischen Darstellung tanzender Gestalten, bleibt nichts als Ernüchterung.

Gestalten ohne Anmut

Die Figuren, die sich da im Kreise halten, sind weder von Anmut noch von Würde getragen. Sie wirken wie hastig hingeworfene Silhouetten, unfertig, grob, ohne jede Spur jener idealen Schönheit, die allein das Herz zu rühren vermag. Ihre Körper sind plump, ihre Bewegungen ungelenk, ihre Gesichter leer wie unbehauene Steine. Ein Tanz? Nein. Ein unbeholfenes Herumfuchteln, das jeder königlichen Feierlichkeit Hohn spricht.

Farben ohne Harmonie

Auch die Farbgebung – dieses grelle Rot der Körper, dieses flächige Blau des Himmels, dieses monotone Grün des Bodens – entbehrt jeglicher Harmonie. Es ist, als hätte der Maler die Palette eines Hofnarren geplündert und die Farben ohne Sinn und Maß über die Leinwand geschmiert. Wo ist die Tiefe, wo das Licht, wo die feine Abstufung, die ein wahrer Meister zu setzen weiß? Nirgends.

Ein Irrtum der Moderne

So bleibt dieses Werk ein trauriges Zeugnis der Verflachung des Geschmacks. Es erhebt nicht, es verzaubert nicht, es führt den Betrachter nicht in jene höheren Sphären, in denen Kunst und Geist sich begegnen. Es ist ein Bild ohne Können, ohne Seele, ohne königliche Größe – und damit, bei allem Respekt vor dem Namen des Malers, kein Kunstwerk, sondern ein Irrtum der Moderne.

📌Ludwig II. (Bayern)
📌Henri Matisse
📌Der Tanz (Gemälde)

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