Heinz Erhardts Blick auf van Doesburgs „Mädchen mit Hahnenfuß“
Mädchen mit Hahnenfuß – Geometrie statt Gefühl
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| Theo van Doesburg - Mädchen mit Hahnenfuß (1914) (80 x 80 cm) |
Es hängt im Museum, so fein und so groß,
ein Mädchen mit Hahnenfuß – welch’ rätselhaft’ Los!
Von Theo van Doesburg, Jahr neunzehnvierzehn,
doch ach, was wir sehen, das ist kaum zu verstehen.
Das Mädchen zerlegt, in Winkel und Kant,
als hätten die Linien die Wirklichkeit verbannt.
Die Farben so wild, die Proportionen verdreht,
ein Hahnenfuß versteckt– wer ihn sieht der versteht!
Die Form ist geometrisch, das Herz bleibt allein,
die Konturen verschwinden, das soll Kunst wohl sein?
Kein Lächeln, kein Leben, nur Winkel, nur Zahl,
die Logik, die herrscht, ist hier ziemlich brutal.
Und trotzdem hängt es im Museum so stolz,
als wär’s ein Gedicht aus Farbe und Holz.
Man sieht ein Rätsel, ein Stückchen Idee,
doch Augenschmaus fürs Herz? Ach, den seh’ ich nicht, nee!
Ein Mädchen, ein Hahnenfuß, und viel Mathematik,
für Kunstliebhaber vielleicht ein kleiner Schick.
Doch wer hier auf Herz und Witz gesetzt,
verläßt das Bild, fast ganz entsetzt.
So bleibt nur Verwunderung, leise, nicht laut,
warum dieses Werk die Museumswelt erbaut.
Ein Meister-Schnipsel, ein Denk-Rätsel bloß,
doch vom Können her ... ach, da ist gar nichts los.
📌Theo van Doesburg
📌Mädchen mit Hahnenfuß

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